(OP)POSITIONEN ZU O.S. – Isabelle Schad

Die beiden installativen Choreographien DER BAU und FORM UND MASSE setzen sich mit dem Um-Raum des Körpers auseinander. Dabei werden Themen Oskar Schlemmers um das Verhältnis zwischen Körper, Kostüm/Objekt und Raum aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet.
Schlemmer läßt im Stile Bauhaus’ stringent Geometrien, Volumen, Formen und ‘Objekt-Körper’ zutage treten. In der Gegenüberstellung dazu, betrachten die beiden Arbeiten DER BAU und FORM UND MASSE den Raum um den Körper herum als ein (zusätzliches) Organ.

1. DER BAU – Installative Version

Konzept: Isabelle Schad & Laurent Goldring
Performance: Isabelle Schad

© Laurent Goldring
© Laurent Goldring

In Kafkas unvollendeter Erzählung Der Bau wird ein Tierbau beschrieben, der aus dem Körper selbst heraus geschaffen ist und immer noch zu ihm gehört – seine Formen, Spuren, Gerüche, Ausscheidungen und Reserven, Hoffnungen und Verzweiflungen in sich tragend. Sie dient uns als titelgebende Metapher und Ausgangsbasis für die weitere Erforschung der besonderen Beziehung zwischen Körper und Raum, die wir mit der Stückreihe Unturtled seit 2008 begonnen haben.
In Unturtled #1-4 wird das Kostüm zum Übergangsobjekt, einer Prothese (die letzte nicht vorhandene Schicht des Körpers) und zur ersten einhüllenden Schicht des äußeren Raumes zugleich. Die Betrachtung des Kostüms als Organ ermöglichte uns die Untersuchung des Körpers und seines Um-Raumes, den er aus sich selbst heraus generiert: als eine Bühne und als ein Bühnenbild. Während des Arbeitsprozesses an Der Bau wurde klar, dass der Raum selbst als ein Organ und als Extension des Körpers anzusehen ist. Zum Verständnis dieser Idee hilft uns die Ansicht Rilkes über den Bildhauer Rodin, wonach dieser nicht den Körper zur Skulptur formt, sondern die Räume um die Körper herum. Aus großen Stoffbahnen schaffen wir einen planen und flüssigen Raum: Die Stoffe als äußere Schichten (Gewebe) werden wie innere Schichten (Gewebe) behandelt, und sie reagieren überraschend lebendig, zugleich als Körperteil, als Hülle und als Partner.

Die installative Version zum Stück Der Bau wird in Stuttgart zum ersten Mal zu sehen sein.

2. FORM UND MASSE

Konzept und Choreographie: Isabelle Schad
Co-Choreographie und Performance: Sonja Pregrad

© Isabelle Schad
© Isabelle Schad

Form und Masse untersucht das Verhältnis zwischen Energie und Materie, zwischen Material, Bewegung und daraus entstehender Form. Mit Styroporkügelchen gefüllte Sitzsäcke dienen uns als Verstärker des Sichtbaren: Sie kreieren einen Raum um den Körper herum, der als vom Körper selbst generiert angesehen werden kann. Die Masse der Styroporkügelchen korrespondiert mit der zellulären Masse des Körpers, den Trillionen an Zellen, aus denen wir bestehen. Es ist erneut dieses Übergangsobjekt, das als letzte innere Schicht und als erste Schicht – als Bindeglied – zur äußeren Welt angesehen werden kann – ähnlich des Spielzeugs eines Kindes. Es macht existierende Bewegungsmuster, welche auf energetischen Grundprinzipien basieren, wie ein Verstärker sichtbar und zugleich zum Objekt, das betrachtet wird, währenddessen die bewegungsgenerierende Person Subjekt des Geschehens bleibt. Der Raum um den Körper herum kann auch hier als ein Organ betrachtet werden; eine neue Sichtweise, Raum bzw. Innen-/ Außenraum des Körpers zu choreographieren.

Termine:
Freitag, 6. September, 17:30 Uhr, Württembergischer Kunstverein
Samstag, 7. September, 17:00 Uhr, Württembergischer Kunstverein
Sonntag, 8. September, 13:30 Uhr, Württembergischer Kunstverein
(DER BAU und FORM UND MASSE werden abwechselnd in jeweils ca. 15-minütigen Zeitfenstern gezeigt)

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