Revisiting O.S. _ humanoid / metamorph – Eva Baumann

„Der Tänzer folgt sowohl dem Gesetz des Körpers als dem Gesetz des Raumes; er folgt sowohl dem Gefühl seiner selbst wie dem Gefühl vom Raum.“ (Oskar Schlemmer in: Bauhausbücher, Band 4, S. 15, 1924)

foto_eva_humanoid_2_horizontalIn einer zweiteiligen choreografischen Versuchsanordnung setzt sich Eva Baumann beim TANZLOKAL mit dem Aspekt der Figur im Raum auseinander, wobei sie die Strenge, die Schlemmer dem sich bewegenden Körper auferlegte, auflockern wird.

in humanoid * tummelt sie sich als gesichtslose Gestalt im Schloßpark und am Schloßplatz um den Württemberger Kunstverein herum. Ein Geist aus den 1920ern oder eine außerirdische Gestalt aus einer fiktiven Zukunft? Sie bezieht Stellung zu der Umgebung, dem öffentlichen Raum und den sich ständig verändernden Gruppenkonstellationen, bestehend aus vorbeigehenden Passanten und neugierigen Zuschauern. Aus den Beobachtungen heraus, wie sich die Anderen im öffentlichen Raum verhalten, entsteht eine Choreografie aus dem unmittelbaren Moment heraus. Ein selbstironisches Augenzwinkern ist nicht ausgeschlossen !

In metamorph ** bespielt die Tänzerin den Raum des Württembergischen Kunstvereins. Wie ein sich bewegendes Gemälde transformiert sich der Körper in verschiedene Formen und Strukturen. Menschliches, Animalisches, Objekthaftes und Mechanisches besteht nebeneinander und bedingt sich gegenseitig. Aber was ist da jeweils zu erkennen? Der Phantasie des Zuschauers ist keine Grenzen gesetzt, freies Assoziieren ausdrücklich erwünscht.

*  humanoid (lat. homo ‚Mensch‘ und altgr. εἶδος eidos [ˈidɔs] ‚Gestalt‘ oder „menschenförmig“) werden alle Lebensformen und Maschinen klassifiziert, die ein menschenähnliches Erscheinungsbild aufweisen

** metamorph – (morph zugrunde liegt altgriechisch μορφή (morphé) „Gestalt“)  seinen Zustand, seine Gestalt wandelnd, deutsches Wort: formwandlerisch

Schlemmer-Studien
Oskar Schlemmer verstand Kunst stets als Raumkunst und betrachtete den Raum in Relation zum menschlichen Körper. Die einzelne Figur im Raum und in Gegenüberstellung mit der Gemeinschaft durchzieht als Thema sein gesamtes Werk, insbesondere seiner Malerei. Die typisierte menschliche Figur bestimmt hier als raumstrukturierendes Element den Bildaufbau, der als Synonym für die Gesellschaftsarchitektur der Moderne gelten kann. Die dargestellten Männer und Frauen sind keine Individuen, obwohl sie in Haltung und Gestik unterschiedliche Beziehungen untereinander formulieren. Sie sind jedoch nicht Ausdruck großstädtischer Anonymität, sondern entsprechen Schlemmers Menschenbild als technisch funktionaler Einheit. Der Körper wird als architektonische Form verstanden, ausgedrückt in einem rhythmischen Spiel aus konvexen und konkaven Formen, Flächen, Linien und Kurven.

Sein Verhältnis zur Kunst formulierte er in dem 1924 erschienenen bühnentheoretischen Aufsatz „Mensch und Kunstfigur“ – Grundlage seines bekannten „Triadischen Balletts“- in welchem er unter anderem den Anspruch allgemeingültiger Typisierung mittels Maskierung und Kostümierung formulierte. Ausführlich erläutert er darin den Tänzermenschen als Ideal des Verhältnisses von Mensch und Raum. Die Verbindung von Abstraktion und Mechanisierung sowie dem Mensch als Darsteller körperlicher und seelischer Geschehnisse zwischen Naivität und Reflexion, Natürlichkeit und Künstlichkeit entsprach seiner Vision einer künftigen Kultur.

Termine: humanoid
Freitag, 6. September, 18:00 Uhr, Schloßplatz
Samstag, 7. September, 13:30 Uhr, Schloßplatz
Sonntag, 8. September, 14:30 Uhr, Schloßplatz

Termine: metamorph
Freitag, 6. September, 19:00 Uhr, Württembergischer Kunstverein
Samstag, 7. September, 16:30 Uhr, Württembergischer Kunstverein
Sonntag, 8. September, 16:00 Uhr, Württembergischer Kunstverein

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