Die Pioniere

Rudolf von Laban
Rudolf von Laban kommt 1920 nach Stuttgart, wo er die „Tanzbühne Laban“ gründet. Einer seiner ersten Schüler ist Kurt Jooss. Laban ist zudem schriftstellerisch tätig und betreut in Stuttgart die Publikation seines ersten Buches „Die Welt des Tänzers“. 1921 wird Laban Ballettmeister und -choreograph am Nationaltheater Mannheim, seine Arbeiten werden 1922-1923 auch am Württembergischen Landestheater Stuttgart aufgeführt. Laban entwickelt in dieser Zeit seinen nächsten Arbeitsschwerpunkt: Der chorische Tanz und die Arbeit für den Laientanz. Labans Jahre in BW und seine hier entwickelten Ideen sollen Kernpunkt der weiteren künstlerischen Auseinandersetzung sein.

Kurt Jooss
Kurt Jooss beginnt 1920 seine Ausbildung an der „Tanzbühne Laban“ in Stuttgart. 1921 debütiert Jooss in Labans Choreographie zu Wagners „Tannhäuser“. Viele der Theorien seines Lehrers und Freundes übernimmt Jooss in seiner eigenen künstlerischen und lehrenden Arbeit. Für Jooss steht auch die Frage des Politischen im Zentrum seines Kunstschaffens, besonders in seiner Produktion „Der grüne Tisch“ von 1932. Seine politische Überzeugung veranlasst ihn, im Jahr 1933 aus Deutschland zu emigrieren. In der Recherche soll erforscht werden, inwiefern Jooss‘ politische Haltung im expressiven Tanz zum Ausdruck gekommen ist.

Mary Wigman
Mary Wigman reist bereits 1913 in Rudolf von Labans „Schule für Kunst“ auf dem Monte Vérita in der Schweiz. Ihre erste eigene Tanzschule eröffnet sie in den 1920er Jahren in Dresden. In den 1950er Jahren feiert sie am Nationaltheater Mannheim große Erfolge. Für Wigman ist der Tanz Ausdrucksmittel der Seele. Hier sieht sie die Möglichkeit, sich selbst zu finden, ehe die Auseinandersetzung mit der Welt und Umwelt erfolgt. Lässt sich der damalige Ausdruck heute noch lesen und übersetzen? Wie reagiert ein heutiger Körper auf das Bewegungsrepertoire des Ausdruckstanzes und was drücken heutige Tanzkörper aus?

Oskar Schlemmer
„In die Gesetze [des Raumes und des organischen Menschen] unsichtbar verwoben ist der Tänzermensch. Er folgt sowohl dem Gesetz des Körpers als auch dem Gesetz des Raums; er folgt sowohl dem Gefühl seiner selbst wie dem Gefühl vom Raum.“ (Mensch und Kunstfigur, 1924) Mit dem Tanz, so hoffte Oskar Schlemmer, lasse sich die Bühnenkunst und die bildende Kunst verbinden und hierdurch ein ganzheitliches Verständnis von Körper und Raum denken und darstellen.  1922 wurde das „Triadische Ballett“ in Stuttgart vollständig uraufgeführt. Bereits 1921  berief ihn Martin Gropius an das Staatliche Bauhaus Weimar, ab 1926 war Schlemmer Leiter der Bühnenwerkstatt am neuen Bauhaus-Standort in Desssau.  Im Zentrum der TANZLOKAL-Recherche stehen Schlemmers Bauhaus-Tänze, das „Triadische Ballett“ und das „Figurale Kabinett“.